Resümee der dritten Woche:
Diese Woche endet mit Abschied und Traurigkeit. Während wir uns in der ersten Woche am Camino gefunden haben und in der zweiten Woche so richtig kennengelernt haben, müssen wir uns jetzt am Ende der dritten Woche von einander trennen. Bis auf Sherri und Kristi wird jetzt jeder von uns sechs seinen eigenen Weg gehen, zu unterschiedlich sind die geplanten Ankunftstermine in Santiago de Compostela. Gewisse Dinge sind eben vorgegeben oder muss man zuvor planen. Auch wenn ich mir etwas Spielraum in meiner Planung gelassen habe, so ist dieser nicht groß genug um die weiteren Wege mit meinen liebgewordenen Freunden zu gehen. Auch wenn wir von nun an unseren eigenen Weg gehen und uns vermutlich nicht mehr wieder sehen werden, so werden wir über den Datenhighway verbunden bleiben.

Die Kilometer die ich zurückzulegen habe um mein Ziel zu erreichen, sind nun von 780 auf 280 geschmolzen. Meine körperliche Verfassung gewinnt an Festigkeit, die Schmerzen im Knie sind nur noch Sekundär, eine Blase auf einem meiner Zehen hat sich gebildet, die erste seit dem Start meines Camino in Saint Jean Pied de Port. Ich empfinde Bewunderung für jene Pilger, die deutlich älter als ich sind oder Pilger deren Körpergewicht an sich schon eine Last darstellt und dennoch den gleichen Weg wie ich gehen. Ich muss jetzt mein Leistungspotenzial ausschöpfen und werde versuchen in den nächsten 3 bis 4 Etappe eine Etappe gut zu machen. Das Wetter hat es diese Woche gut mit uns Pilgern gemeint. Es war sonnig, trocken und nicht zu heiß. Die Landschaft ist zusehends flacher geworden und Leon war das Highlight in dieser Woche. Eine bezaubernde Stadt und mit 130.000 Einwohnern überschaubar und im Zentrum die alles überragende Kathedrale. Zahlreiche Bars und Restaurants laden zum verweilen ein. Ich kann verstehen, dass so mancher Pilger hier eine zweite oder dritte Nacht verbringt.

Erkenntnis der 3. Woche: In den ersten drei Wochen spürst du den Camino in den Knochen, danach im Herzen.

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