Etappe27 – Der Weg der alten Bekannten.
16.06.2014 – 43 km, Triacastela bis Portomarin. Der heutige Tag ist abwechslungsreich in der Landschaft, warm, nicht zu heiß und viele Bäume spenden mir Schatten auf dem langen Weg.

Wie schon in den letzten Tagen zuvor, breche ich heute um 7.15 Uhr auf. Gleich am Beginn gibt es wieder die Diskussionen um den richtigen Weg. Ich finde ihn und die anderen folgen mir. Das Landschaftsbild hat sich wieder stark gewandelt. Es ist wieder sehr grün und die Viehzucht scheint hier dominant zu sein. Kuhfladen entlang des Weges. Der Weg ist abwechslungsreich, mit Hügeln durchzogen und bewaldet. Das erste große Ziel ist Sarria, eine Stadt mit 8.700 Einwohnern. Ich hole mir bei der Camino Infostelle einen Stempel und bekomme einen Stadtplan, indem mir der freundliche Mann einen Weg zeichnet. Er beinhaltet das Bankenviertel, ich muss Geld abheben und natürlich die Sehenswürdigkeiten von Sarria. Für die meisten Pilger die mit mir heute gestartet sind, endet die Etappe in Sarria oder Barbaledo, nicht für mich, ich lege nochmals 20 km darauf und gehe bis Portomarin.

Zum Einen ist Portomarin kein Ziel in den Reiseführern und so hoffe ich, dem in den letzten Etappen entstandenen Trubel zu entkommen, zum Anderen finde ich die Stadt interessant, da sie in den 50er bis 60er Jahren neu aufgebaut wurde. Die Kirche wurde Stein für Stein abgetragen und am höher liegenden, neu entstandenen Ort, wieder zusammengefügt. Der alte Stadtteil ist mittlerweile vom großen Fluss verschlungen worden. Es wird heute mit 9,5 Stunden mein längster Abschnitt, ist aber nicht so ansträngend, wie die 40 Kilometer nach Rabanal. Der Weg ist hügelig mit ausreichend schattigen Stellen. Vor Portomarin mache ich noch einen 1,5 km langen Umweg, da ich eine Abzweigung versäume. Ich bin knapp vor 17.00 Uhr in Portomarin. Der Pilgerweg sowie der Zugang zum Zentrum der Stadt, führt mich über eine steile Treppe, direkt beim Ortseingang. Ich will gerade die Stufen emporsteigen, da sehe ich am rechts davon steil ansteigenden Straßenstück Jean, ein Franzose, ich habe ihn schon öfters getroffen, er dürfte auch schon lange dabei sein. Ich weiß nicht wie lange er schon darauf wartet, dass ihm jemand über das steile Straßenstück nach oben hilft. Er bewältigt den Camino im Rollstuhl, ganz alleine. Ich erreiche mit Jean das Zentrum und die erste Herberge sieht auch gleich einladend aus. Es ist schon spät und für meinen Reisebericht bleibt heute keine Zeit mehr.

Hier übernachten nicht so viele Pilger, wie ich es mir gedacht habe. Der Ort liegt auch innerhalb der 100 km Zone, den Teil den man zu Fuß zurücklegen muss, um die Urkunde - die Compostela zu erhalten. Umso mehr aber freut es mich, dass ich Manfred und Karl nochmals treffe. Beide habe ich das erste Mal in Pamplona getroffen, sie kommen aus Baden Württemberg. Am Camino, sind das mittlerweile alte Bekannte, hier kann man auch Freunde sagen, so sehr verbindet einen der Weg und gerade jetzt wo sich das Feld der Weitgegangenen lichtet. Ich lerne durch die beiden auch Peter und Alois kennen, Brüder, aber unterschiedlich gestartet und noch weiter als ich gegangen. Es war ein schöner Abend.

Erkenntnis des Tages: Die schönste Gabe, helfen zu können und zu dürfen.

Tag 28: Palas de Rei

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