Etappe23 – Der Weg der Schönheit.

12.06.2014 – 27 km, von Rabanal del Camino bis Molinaseca. Wolkenlos, über 30 Grad, rauf auf den Cruz de Ferro und runter bis Molinaseca.

Ich bin heute um 7.00 Uhr startbereit. Ich will das Licht der aufgehenden Sonne in diesen Höhen genießen. Es geht nochmals steil nach oben, zum Cruz de Ferro. Hier werde ich das Gewicht von Peaches, so nenne ich meinen Rucksack, etwas reduzieren, denn hier ist die Stelle wo man seine Sorgen mittels eines Steines, der von zuhause sein soll, ablegen kann. Nach einer Stunde erreiche ich Foncebadon, ein beliebter Nächtigungsstützpunkt in den Reiseführern. Ich fühle mich hier einige Jahrhunderte zurückversetzt. Es gibt weder asphaltierte Straßen, noch kann ich Gebäude mit Bauzeiten von diesem oder dem vergangenen Jahrhundert ausfindig machen. Foncebadon liegt auf 1433 m Seehöhe und hat 10 gemeldete Einwohner und ein Kloster. Ich trinke einen Kaffee und fülle meine Wasserflasche auf, denn es wird jetzt schon mächtig warm.

Kurz danach bin ich am Cruz de Ferro. Hier treffe ich nochmals auf Leni, die zweite Österreicherin, die ich auf dem Camino kennengelernt habe. Wir wünschen uns gegenseitig „Buen Camino“ und ich hinterlasse hier meinen Mondstein, den ich von meinen Arbeitskollegen bekommen habe. Ich durchquere eine Landschaft, die sicher zu den schönsten die ich auf dem Camino bisher gesehen habe gehört. Dann treffe ich auf einen Straßenmusiker, hier oben, auf über 1400 Meter Seehöhe. Ich werfe 50 Cent Kleingeld in seinen Geigenkasten und marschiere weiter durch dieses herrliche Landschaftsbild.

Beim Abstieg, der 15 Kilometer hinunter bis Molinaseca führt, weiche ich immer wieder auf die kaum befahrene Landstraße aus. Ich habe Angst mein Knie in den steinigen Geröllhalten nochmals zu ärgern. Wie es der Zufall so will fahren an mir 10 Motorräder vorbei, die etwas später anhalten. Es sind Deutsche. Sie sind in Norddeutschland gestartet, in Burgos auf den Camino aufgefahren und wollen bis nach Santiago. In meinen morgentlichen Überlegungen, hatte ich vor bis nach Ponferrada gehen, entschließe mich aber kurzfristig, im davor liegenden Städtchen Molinaseca zu bleiben und den schönen Tag noch ein wenig zu genießen. Am Abend gehe ich mit Betina aus Tuttlingen (Deutschland) essen. Ich habe sie in dieser idyllischen Herberge, die mich dazu verführt hat hier zu bleiben, kennengelernt.

Erkenntnis des Tages: Wir sind von so vielem Schönen umgeben, wir müssen es nur beachten.

Tag 24: Villafranca del Bierzo

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