Etappe 8 – Der Weg mit Gina. (Neu überarbeitet)
28.05.2014 – 30 Kilometer von Logrono bis nach Najera. Die Strecke entwickelt sich wegen des Dauerregens zum Alptraum und ich nehme schweren Herzens den Bus.

In den wachen Momenten der Nacht, habe ich dem Klopfen der Regentropfen an die Fensterscheiben gehorcht. Immer wieder und unablässig hämmerten sie dagegen. Am Morgen als es dann zeit war aufzustehen, blickte ich als erstes aus dem Fenster. Es war bereits hell und ich konnte sehen wie das Wasser die Straße entlanglief und in den Pfützen sich Muster zeichneten, von den unzähligen Regentropfen, die sich auf sie stürzten. Ein Blick gegen den Himmel gerichtet, lässt keine absehbare Wetterbesserung erwarten.
Beim Frühstück in einer, zur Unterkunft angrenzenden Bar, entscheide ich schweren Herzens, mich Gina anzuschließen. Sie hatte bereits gestern Abend angekündigt, mit dem Bus nach Najera zu fahren. Es fällt mir schwer, meine Freunde alleine gehen zu lassen, aber für mein Knie könnte diese, von den Einheimischen als mörderisch bei Nässe bezeichnete Etappe, den Todesstoß bedeuten. Vernunft ist auch eine Tugend und sie scheint mir hier angebracht zu sein. Dies bekräftigen auch meine Freunde. Sie halten mich nicht an mit ihnen zu gehen, nein sie bestehen darauf, dass ich den Bus nehme, gemeinsam mit Gina, und so bin ich heute bereits um 10:30 Uhr in Najera.

Ginas Spanischkenntnisse haben es uns leicht gemacht, die beste Verbindung zwischen den beiden Städten herauszufinden. Wir sind ohne einen Halt durchgefahren. Gina hat auch bereits ein Hostel für uns gebucht, von Logrono aus. Wir sind aber eindeutig zu früh. Vor 11:00 Uhr ist die Vermieterin nicht zu erreichen. Wir warten in einem Café. Gina wirkt auf den ersten Blick nicht gerade sportlich, sie nimmt auch gerne mal den Bus oder lässt sich das Gebäck mit dem Taxi transportieren; machen übrigens auch andere. Gestern Abend war ich dann doch etwas überrascht. Bei unserem abendlichen Bummel durch die Altstadt von Logrono, hat sie in einer Gasse einen Kopfstand gemacht und dabei ihre Beine wie die Zeiger einer Uhr, in alle Richtungen gedreht. Sie erzählt mir nun, dass sie in ihrer Heimat Yoga unterrichtet, in einem Institut in dem sie eine leitende Position einnimmt. Ihre Vorfahren kommen aus Schweden und Peru. Die Spanischkenntnisse hat sie aber von einem Urlaub in Grenada. Sie ist verheiratet und ihr Lächeln kann einen schon verzaubern.

Wir werden in einem großen Appartement untergebracht. Zwei kleine Schlafzimmer mit jeweils einem Doppelbett und ein sehr großer Raum mit 4 Betten. In anderen Herbergen werden hier bestimmt 20 Betten hineingequetscht. Es gibt auch Bettwäsche und Handtücher, und das alles für 8,00 Euro. Ich habe heute viel Zeit für meine Homepage. Obwohl es noch immer regnet, suche ich die umliegenden Gassen nach einem Laden mit Kopfbedeckungen ab. Die gestrige Sonne hat meinen Nacken knallrot verfärbt. Ich finde einen Schlapphut mit einer breiten Krempe. Breit genug um meinem Kopf Schutz zu bieten, vor der Sonne, die ich hoffe in den nächsten Tagen öfters zu sehen. Um 15:00 Uhr treffen Kristi, Sherri und Chris ein. Ich sitze auf dem überdachten Balkon des Appartements und sehe als erstes Kristi schnellen Schrittes über die Brücke laufen. Ich begrüße sie mit Good morning Amerika“, sehr laut und sie sieht hoch zu mir. Dann ruft sie zurück: „Guten Tag Österreich.“ In der Unterkunft angekommen spüre ich die Kälte an den Körpern der Drei. „Es war ein scheiß Tag, stöhnt jeder“ und alle bekräftigen meinen Entschluss, des Busses wegen. Im Nachhinein würden auch sie so handeln. Sie sind durchmarschiert, haben keine Pause gemacht. Wo hätten sie auch sollen. Keine Ortschaft entlang des Weges, keine Möglichkeit sich ein wenig unterzustellen, nur Regen der unaufhörlich auf sie herabrieselte. Mit ein wenig Verspätung kommt auch Steve. Er ist wieder erst in den frühen Morgenstunden in die Unterkunft gekommen und hat noch den halben Vormittag geschlafen, bis er dann kurz vor 11:00 Uhr aufgebrochen ist. Ein neuer Rekord, 30 Kilometer in viereinhalb Stunden. Wir lassen den Abend bei einem Pilgermenu ausklingen. Kristi und Sherri haben sich Schlaftabletten besorgt. Ich bin also nicht der einzige der schlecht schläft, entsage aber dem Angebot von den beiden. Meinem Knie hat der Tag auch gut getan und ich freue mich schon auf morgen, wo es nach Santo Domingo de la Calzada gehen soll.

Erkenntnis des Tages: Man muss sich auch Schwächen eingestehen können.

Tag 9: Santo Domingo de la Calzada

Die nachfolgenden Bilder sind in der Reihenfolge des gegangenen (gefahrenen) Weges gelistet. Bedingt durch den Dauerregen, sind es recht wenige geworden.