Resümee der vierten Woche:
In dieser Woche werden Kilometer gemacht. Der Weg nach Rabanal führt mich an meine Grenzen. 40 km bei über 30 Grad, immer ansteigend und die letzten 7 km stark steigend. Wasser ist Mangelware und auch die Pilger werden weniger. Es sind doch mehr als gedacht ausgestiegen, nach den ersten Wochen, und heute während ich diese Zeilen schreibe, wird fast nur noch spanisch gesprochen. Den Rekord an Kilometer stelle ich am Montag auf, 43 km in 9,5 Stunden, aber bei weitem nicht so anstrengend wie der Weg nach Rabanal.

Auch die Landschaft hat sich zusehends gewandelt. Zuerst die Pyrenäen, danach hügeliges, saftiges Grünland, pausenlos Regen und niedrige Temperaturen. Ab Logrono wird es flacher und trockener und dies verschärft sich bis Leon. Es wird zunehmend heißer und der nächste Gebirgszug steht an. Eine massive Gebirgskette mit einem Ausmaß von fast 150 km und wunderschön. Jetzt wandere ich durch kleine Höfe mit Viehzucht. Kuhfladen wohin das Auge reicht, begleitet von grünen Weiden.

Ich bin jetzt 92 km vor Santiago und der Pilgerstrom setzt ein. Massen an Wanderer durchlaufen das Gebiet und sprechen meist Spanisch. Der Tagesschnitt an Pilgern liegt jetzt bei ca. 600 und dennoch schaffen es Claudia und ich uns heute beinahe zu verlaufen. Nach dem heutigen Tag und vier Wochen auf dem Camino, sind es noch 68 km bis nach Santiago de Compostela. Ich möchte am Freitag dort sein, von jetzt an 3 Tage.

In dieser Woche sind die Pilger, die in Saint Jean oder kurz danach gestartet sind auf ein kleines Häufchen zusammengeschmolzen. Ich freue mich umso mehr, wenn ich wieder jemanden treffe, von den ersten Tagen am Camino, wie die deutschen Großeltern die mit ihrem 6-jährigen Enkelsohn unterwegs sind und es ist deshalb faszinierend, da ich denke, dass die beiden jünger sind als ich.

Ich bin heute bereits um 20.00 Uhr, sofort nach dem Abendessen, wieder in der Herberge und mache meinen Wochenbericht. Mir gefällt es nicht in der Stadt, zu viel an Pilgertourismus. Es wird geschmaust und getrunken wie im Urlaub am Meer. Die Bars und Restaurants sind voll, man bekommt kaum einen Platz um sein Pilgermenu einzunehmen. Es hat so gar nichts mit den Wochen davor zu tun. Ich sehe heute auch niemanden, den ich nur annähernd kenne. Der Fernseher hinter mir zeigt gerade Brasilien gegen Mexiko, bei der Fußball WM. Am liebsten würde ich morgen die gesamten 68 Kilometer bis nach Santiago laufen.


Erkenntnis der Woche: Du bist einer von wenigen.

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