Etappe 7 – Der Weg mit Kristi. (Neu überarbeitet)

27.05.2014 – 30 Kilometer von Los Arcos bis nach Logrono. Der Weg ist trocken und das erste Mal durchgehend von Sonnenschein begleitet, um die 20 Grad.

Es ist beinahe schon zur Gewohnheit geworden, dass ich als letzter die Unterkunft verlasse, aber bereits nach den ersten Kilometern, finde ich meine Freunde wieder. Auch so manch anderen Pilger, der mir schon vertraut geworden ist. Die Morgenstunden halten die Temperatur noch in Zaum, obwohl die Sonne beinahe ungestört über uns wacht. Der Camino führt uns durch trockenes und staubiges Gelände. Stille umgibt mich in den Momenten, in denen ich alleine am Weg bin. Ich genieße die Einsamkeit, freue mich aber auch, wenn ich wieder Pilgern begegne. Die Landschaft ist flacher geworden und Umrisse von Gebirgsmassiven haben sich in die Ferne geschoben; ein Tag wie ich ihn liebe.

Um die Mittagszeit erreiche ich Viana, eine alte Handelsstadt und der letzte Ort in der autonomen Region Navarra. Logrono, das heutige Etappenziel, liegt bereits in der durch seinen Rotwein bekannten Provinz La Rioja. Mittig in Viana erstreckt sich die wuchtige, an eine Kathedrale erinnernde Kirche Santa Maria. Ein Sakralbau aus dem Übergang in das 14. Jahrhundert. Davor erstreckt sich ein Platz mit einem Brunnen im Zentrum und hier finden wir wieder zusammen, lassen uns von der Sonne verwöhnen und genießen einfach diesen Augenblick. Nach erholsamen 45 Minuten und einer kleinen Stärkung, geht es geschlossen weiter. Anfangs, denn es dauert nicht lange bis sich unsere achtköpfige Gruppe auseinanderzieht und ihre Formation verliert.

Ich befinde mich nun ganz vorne, mit Kristi, wir haben das gleiche Tempo eingeschlagen. Ich begrüße sie nun immer mit „Good morning Amerika“ und sie antwortet mit „Guten Tag Österreich“. Wir verstehen uns trotz der Sprachbarriere immer besser. Sie ist schon viele Jahre als Stewardess bei Delta Airline beschäftigt, ein Vorteil der ihr ein offenes Rückflugticket einbringt, ebenso für Sherri. Kristi lebt in der Nähe von Portland, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Sie nimmt immer noch an Marathonläufen teil, was auch ihre Konstitution erklärt. Abgesehen von den Blasen an ihren Füßen, geht es ihr fabelhaft. Sherri und sie, haben sich über Facebook kennengelernt. Sherri hat eine Begleitung für den Camino Frances gesucht und so hat das eine, das andere ergeben. Eine Schafherde kreuzt unseren Weg und ich nutze die Gelegenheit, mein oberes Outfit auf ein T-Shirt zu begrenzen. Wir durchstreifen einen Föhrenwald der uns etwas Schatten spendet, dann stoßen wir auf eine alte Frau, die den Erzählungen nach, täglich am Camino sitzt und die Pilgerpässe abstempelt. Hier holen uns auch Steve und Wolfgang ein. Die Schmerzen in meinem Knie werden unerträglich und ich denke nicht einmal daran Fotos zu schießen. Ich erinnere mich noch an einen lebenden Wegweiser, kurz vor Logrono. Ein Mann mit einem gelben Pfeil auf seiner Schirmmütze. Ich weiß nicht ob er täglich hier steht, er spricht nur Spanisch und keiner von meinen Begleitern ist dieser Sprache auch nur annähernd mächtig. Die letzten Meter bis Logrono fallen mir immer schwerer, sie führen auch noch abwärts.


Endlich, die 147.000 Einwohner der Hauptstadt von der autonomen Gemeinde La Rioja, begrüßen uns. Mit der Unterkunft haben wir auch Glück. Wir teilen uns 2 Vierbettzimmern, mit Bettwäsche und Handtuch, für 10,00 Euro. Ich gönne mir heute den Luxus und lasse mir für 5,00 Euro meine Klamotten waschen, auch meinem Knie zu liebe. Erst am Abend geselle ich mich zu meinen Freunden. Da die Restaurants erst um 20:00 Uhr öffnen, stille ich meinen ersten Hunger in einer Tabas Bar. Wir haben uns aufgeteilt. Ich habe mich Sherri, Kristi, Gina und Steve und somit auch der Tapas Bar angeschlossen. Kleine Happen für 1,00 Euro und dazu Rotwein aus der Region. Wir kosten so ziemlich alles durch, gehört einfach zu Spanien, auch wenn wir arme Pilger sind. Das Abendessen, bei dem wir uns wieder alle eingefunden haben, fällt für mich erwartungsgemäß, etwas kleiner aus. Wir bummeln noch ein wenig durch die Altstadt, bevor es wieder frühzeitig in die Betten geht, obwohl wir diesmal sogar einen Schlüssel haben. Die morgige Etappe wird es in sich haben. 30 Kilometer bis nach Najera und dem Reiseführer zu entnehmen, ein Highlight an Landschaft bei schönem Wetter, aber der absolute Horror bei Regen, hügelig und rutschig. Der Abschnitt führt durch offenes Gelände und es gibt auch keinerlei Möglichkeit, dem schlechten Wetter für ein paar Augenblicke zu entkommen. Steve hat es wieder nicht geschafft in die Unterkunft zu kommen.

Erkenntnis des Tages: Es gibt auch Luxus für Pilger.

Rückblick auf die 1. Woche

Tag 8: Najera

Die nachfolgenden Bilder sind in der Reihenfolge des gegangenen Weges gelistet.