Etappe 6 – Der Weg des Weines. (Neu überarbeitet)

26.05.2014 – 22 Kilometer von Estella bis nach Los Arcos. Heute bleibt es trocken, bei nicht mehr als 15 Grad und der Weg führt fernab von Dörfern.

Allmählich formt sich unsere Gruppe. Während Wolfgang schon in Puente la Reina die Vorzüge eines Hotels aufgesucht hat, war es gestern bei Anna soweit. Wir sind jetzt zu sechst und alle haben wir vor bis Santiago de Compostela zu marschieren, auch wenn der von zuhause aus, bereits gesteckte Zeitplan, jeweils ein anderer ist. Der von Steve und mir sind ähnlich. Beide haben wir uns vorgenommen, spätestens am 22. Juni in Santiago zu sein, da wir unsere Rückflüge bereits für den Tag darauf gebucht haben. Chris hat eine Woche länger Zeit, Kristi und Sherri sogar bis Anfang Juli und Gina trifft sich mit ihrer Mutter in Leon, mit der sie dann den Weg zu Ende geht. Leon wird auch die Stadt sein wo sich vermutlich, unsere aller Wege trennen werden. Das wird aber frühestens in zwei Wochen sein, bis dahin werden wir den Camino gemeinsam erleben.

 

Der Boden ist noch nass vom ausgiebigen Regen der Nacht, aber er wird jetzt nicht weiter getränkt, und es bleibt heute niederschlagsfrei, wenn auch die Temperatur nicht weiter ansteigen wird. Zum Wandern angenehm, vor allem weil es zu Beginn gleich einen Berg zu überwinden gilt. Zuvor haben wir aber noch an einem Weingut, gleich nach Estella, Halt gemacht. Mit mir sind Chris der Engländer und Kristi. Selten das wir als große Gruppe marschieren. Dem wasserspendenten Brunnen ist eine zusätzliche Leitung beigefügt worden. Aus ihr fließt Wein, frei zur Entnahme. Mir geht es heute nicht besonders gut, nach dem gestrigen Gelage mit Steve und lasse mich nur sehr zögerlich auf einen Schluck Rotwein überreden. Ich komme dem Drängen von Kristi nach und bereue es auch sofort. Wir treffen Wolfgang wieder und entscheiden uns für den schwierigen, aber schöneren Weg über das Gebirge. Ein Aufstieg auf über 1000 Höhenmeter, von aktuell 450. Der Camino teilt sich hier und ich folge meinen Freunden, auch wenn mein Knie lautstark rebelliert, in Anbetracht des nachfolgenden Abstiegs. Wolfgang muss sich wirklich gut erholt haben, den er redet wie ein Wasserfall, unaufhörlich sprudelt es aus ihm heraus, unmöglich so die Landschaft zu sehen. Erst der Gipfel, der uns eingehüllt in Nebel empfängt, schafft es seinen Sprachfluss für einen Augenblick zu bändigen. Ein Anblick der uns heute anscheinend alleine vorbehalten ist, den anderen Pilgern sind wir seit der Streckengabelung nicht mehr begegnet.

Über den Berg hinunter bin ich erwartungsgemäß hinter den anderen zurückgefallen. Es hat mir auch gezeigt, dass eine Besserung, mein Knie betreffend, noch nicht eingetreten ist. Ohne Tabletten hätte ich es sicherlich nicht geschafft. Der Rest der Etappe bis Los Arcos, verläuft eben und es ist lediglich ein Imbisswagen der uns heute Platz für den mittäglichen Halt bietet. Keine einzige Ansiedlung, die uns begleitet. Sherri, Kristi und Gina warten bereits auf uns und in langen Schritten kommt uns Steve hinterher. Er hat gestern Abend, nachdem ich ihn in die Albergue gebracht habe, diese erneut verlassen und hat erst wieder in den frühen Morgenstunden dorthin zurückgefunden. Er hat noch geschlafen, als wir aufgebrochen sind, macht jetzt aber einen fitten Eindruck.
Die Albergue in Los Arcos ist bescheiden, bietet aber alles was man benötigt. Wir sind 18 Personen in einem Raum, ähnlich wie in Estella, auch der Preis ist mit 6,00 Euro ident. Geschlechtertrennung gibt es auf dem Camino so gut wie nicht, manchmal bei den sanitären Einrichtungen. Es bläst ein eiskalter Wind und ich entschließe mich Wäsche zu machen. Am Abend besuche ich den Gottesdient in der Pfarrkirche Santa Maria. Er wird täglich für die Pilger abgehalten und am Schluss der Messe bekommt man noch den Segen mit auf die Reise, fast in jeder Landessprache, nur Südkorea musste mit Englisch vorlieb nehmen. Vielleicht wird auch diese Sprache eines Tages, wenn sie weiter so zahlreich den Camino schmücken, durch diese Mauern schallen.

Erkenntnis des Tage: Kalt wird es auch in Spanien.

Tag 7: Logrono

Die nachfolgenden Bilder sind in der Reihenfolge des gegangenen Weges gelistet.