Etappe29 – Der Weg in den Alltag.
18.06.2014 – 30km, Palas de Rei bis Arzua. Der anfängliche Nebel lichtet sich und es wird rasch heiß. Der Weg ist ein ständiges Auf und Ab und daher sehr anstrengend.

Ich bin heute etwas spät am Start, es ist bereits 8.00Uhr. Das Gelände ist hügelig und nicht besonders attraktiv. Das mit den Pilgertouristen hat sich eingependelt, es werden nicht mehr. Ich treffe Franziska und sie erzählt mir, dass sie zuletzt Probleme hatte ein Bett zu bekommen. Es hat sich also doch ausgezahlt, Orte abseits der Wanderführer zu wählen, denke ich mir. Ich will heute bis Arzua, ein Ort mit immerhin 2.600 Einwohnern und der auch über zahlreiche Herbergen verfügt. Zuvor komme ich an Castaneda vorbei. Ich weiß nicht ob dieser Ort etwas mit dem Schriftsteller Castaneda zu tun hat, hole mir dort aber vorsichtshalber mal einen Stempel.

Gestern habe ich noch 2 Amerikaner getroffen, die auch schon seit Saint Jean Piet de Port dabei sind und heute früh treffe ich auch nochmals Claudia. Melide ist der nächste größere Ort, dort kaufe ich mir etwas zum Essen. Es ist mittlerweile recht heiß geworden und der Camino führt mich ständig die Hügel hinauf und hinunter. Immer wieder höre ich Handygeläute am Weg und sehe telefonierende Pilger, auch typisch für die letzten Etappen. Es gibt auch spanische Kurzzeitpilger, vor allem jüngere, die gut drauf sind und singen. Ich treffe auch wieder auf eine deutsche Gruppe, aus Bayern und die wissen ganz genau wie es hier als Pilger abläuft, obwohl sie erst vor 5 Tagen in den Camino eingestiegen sind. Ich gehe schnellen Schrittes weiter und bin um 14.00Uhr in Arzua. Ich finde eine schöne Alberge, kaufe mir etwas zum Trinken im Supermarkt und setze mich zunächst einmal in den Garten.

Ich bin jetzt bei Kilometer 40 angelangt. Laut Wanderführer ist der nächste Ort O Pedrouzo der über Herbergen verfügt. Dies sind lediglich 19km von hier und ist mir eindeutig zu kurz. Bis nach Santiago will ich aber morgen auch noch nicht, bleibt also nur Monte de Gozo. Der Ort wurde früher für die Waschung vor dem Einzug nach Santiago de Compostela genutzt und liegt 5km davor. Dort soll es einen Campingplatz für 400 Pilger geben, der aber nicht als besonders rühmlich bezeichnet wird. Vielleicht finde ich ja noch etwas dazwischen.

Am Abend genieße ich wieder mein Pilgermenu, ein Muss auf dem Camino und die Qualität hat nicht nachgelassen. Viele der Kurzzeitpilger sitzen in den Lokalen wo Fußball auf großen LCD Fernsehern läuft und essen "A la Card". Ich bekomme einige wenige Spielausgänge mit, es ist auch nicht mein Thema auf diesem Weg. Der Alltag wird mich früh genug wieder einholen. Spätestens am 26. Juni, wenn ich in Wien lande. In der Zwischenzeit habe ich auch Zeit gehabt, um über Castaneda zu googlen. Er stammt aus Südamerika und hat mit dem Ort Castaneda in Spanien nichts zu tun.

Ich kann nicht sagen, dass ich mich jetzt freue, es bald geschafft zu haben, ich habe mich so an diesen Umstand gewöhnt, zu gehen, zu gehen, zu gehen und gerade jetzt während dieser Zeilen, kommt mir der Gedanke an zuhause. Der tägliche Weg zur Arbeit den man gehen muss und viele sehnen sich das Wochenende herbei, um Abstand von der Pflicht des Alltages zu bekommen. Ich gehe hier bereits mehr als 4 Wochen, tagtäglich meine Wege auf dem Camino und habe noch nie das Bedürfnis einer Erholung oder eines freien Wochenendes gehabt. Manchmal, in den letzten Tagen habe ich Sehnsucht nach meinen Freunden - "The 6 Peregrinos“.

Erkenntnis des Tages: Gehe deinen eigenen Weg, aber lasse deine Freunde mit dir gehen.

Tag 30: Santiago de Compostela

Noch mehr Fotos.

Noch mehr Fotos.